Wagner Optik
 
 
 

 

"Mach das Geschenk des Sehens"


Amtsblätter des Verlag Wittich vom 23. Dez. 2008

Ausgabe: Andernach, Bendorf, Bad Ems, Lahnstein, Maifeld, Mayen, Mendig, Pellenz, Rhens, Untermosel, Vallendar, Vordereifel, Weißenthurm

Augenoptiker Carlo Wagner beschenkte in Indien die Ärmsten der Armen mit Brillen




-pli- Koblenz. Ob sie die Welt nun mit anderen Augen sehen, kann man nicht so ohne weiteres sagen, aber sie sehen sie jetzt auf jeden Fall sehr viel deutlicher: Rund 45.000 gebrauchte Brillen für die Ärmsten der Armen haben Augenoptiker Carlo Wagner, Präsident des Koblenzer Lions Clubs Sophie von La Roche, und zwei Dutzend Kollegen aus verschiedene Erdteilen nach Indien gebracht, kostenlose Untersuchungen durchgeführt und Anpassungen vorgenommen. Ein 14-tägiger "Arbeitsurlaub" auf eigene Rechnung, den der Koblenzer wohl nie vergessen wird. "Give the Gift of Sight" - "gib das Geschenk des Sehens" heißt eine in den USA gegründete Stiftung ,die international aktiv ist und für die auch die Lions weltweit tätig werden. Auf dem Gelände einer Behinderteneinrichtung in der Stadt Amritsar, nahe der pakistanischen Grenze, hatten die Helfer ihre Behandlungszelte aufgeschlagen.

14 Tage lang lebte Carlo Wagner ein bescheidenes Leben in einem einfachen Hotel. Teilte das Zimmer mit einem ihm bis dato unbekannten Kollegen, ernährte sich überwiegend von Reis, Bohnen und Linsen, duschte kalt, wenn es kein heißes Wasser gab, und arbeitete täglich rund zwölf Stunden. Doch das ist nur die eine Seite," sagt der Optiker. "Die Dankbarkeit der Menschen, deren Geduld beim stundenlangen Schlangestehen und deren Freude, überhaupt Beachtung und sogar Hilfe zu finden - das ist die andere Seite."

Obwohl es die Kaste der "Unberührbaren" in Indien offiziel nicht mehr gibt, werden die Ärmsten doch noch oft wie Ungeziefer betrachtet. "Wir mussten viele der 130 Schüler und Studenten, die uns vor Ort halfen, erst mal durch gutes Beispiel überzeugen, zu den Ratsuchenden höflich und hilfsberrit zu sein", sagt Wagner. Danach sei aber alles sehr harmonisch verlaufen. An einige der Leute erinnert sich der Optiker noch besonders gut. An die Frau zum Beispiel, bei deren Untersuchung minus 18 Dioptrin festgestellt wurden und die noch nie eine Sehhilfe besessen hatte. Oder an die betagte alte Inderin, die so unendlich glücklich lächelte, als sie ihre Brille bekam. "Das hat mich tief bewegt und unwillkürlich vergleicht man dann das armselige Leben dieser Menschen mit dem unsrigen. Und dennoch sieht man dort viel mehr freundlich lächelnde Leute."

Rund 2.700 Hilfesuchende- vom Greis bis zum Kleinkind wurden am arbeitsintensivsten Tag gezählt. "Da waren wir abends müde, matt, gerädert und doch aus tiefstem Herzen froh." Für 14 Tage hatte der Koblenzer die gewohnten Gebräuche abgelegt, die Sorge, sich möglicherweise mit einem Virus zu infizieren, beiseite geschoben und sich ganz auf die Armut fremder Menschen eingelassen. "Diese Zeit hat sich hundertfach gelohnt, denn ich habe Tatsachen mit eigenen Augen gesehen, die man sonst nur vom Hörensagen oder von Fernsehen her kennt oder zu kennen glaubt."

Peter Lindemann



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