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Anfang November 2008 packte Augenoptikermeister Carlo Wagner (Brillen-Beratung, Koblenz) seine Koffer, dann ging es von Frankfurt über London nach Amritsar in Indien, der indischen Stadt mit dem berühmten Goldenen Tempel. Und hier warteten vierzehn harte Tage auf den Augenoptikermeister aus Koblenz. Denn in Zusammenarbeit mit Lions International war er einer von über dreißig freiwilligen Augenärzten, Optometristen und Augenopti kermeister aus aller Welt, dazu kamen noch rund 130 ehrenamtliche Helfer vor Ort, die im Rahmen des Hilfsprojektes „Give the Gift of Sight“ (zu deutsch: Schenke die Gabe sehen zu können, www.givethegiftofsight.org) vielen tausenden Bedürftigen Indern wieder zu besserem Sehen verhelfen. Übrigens eine globale Initiative der Luxottica Foundation, hinter der wiederum der weltgrößte Brillenhersteller steht. Gegründet wurde das Projekt im Jahr 1988 als Hilfsprogramm, um bedürftige sehbehinderte Menschen in Nordamerika und den Entwicklungsländern eine kostenlose Beratung zu geben und sie mit Brillen auszustatten, die ihnen ein besseres Sehen und damit auch wieder ein menschenwürdigeres Leben mit der Chance einer Berufsausbildung und Berufsaufnahme ermöglicht. Bis heute konnte die beispielhafte Aktion rund sechs Millionen Menschen helfen. Allein 2008 gab es Hilfe in Thailand, Mexiko, Kambotscha, Rumänien, Guatemala, Paraquay, Chile, den Phillipinen und jetzt auch, erstmals überhaupt, in Indien. Der einzige Experte aus dem deutsch sprachigen Raum war dabei Carlo Wagner, selbst Lions-Mitglied und Gründungspräsident des Koblenzer Lions-Club „Sophie von La Roche“. Vor dem Abflugholte er sich noch schnell die nötigen Impfungen, dann ging es schon los. Empfangen wurden Wagner und seine Kolleginnen und Kollegen vom örtlichen Lions-Club in Amritsar, der übrigens über einen eigenen Stand im Goldenen Tempel, dem „Hari Mandir“ verfügt – eine große Ehre für den Club. Die Stadt hat über 700.000 Einwohner und gilt als der heiligste Ort der Sikhs. Ihren Arbeitsplatz fanden die Ehrenamtlichen dann im Pyngalawara, einer Anlage für fast 700 arme Kinder, die dort verpflegt und unterrichtet werden. Und sie mussten dort in der nächsten Zeit eine wahre organisatorische Meisterleistung vollbringen. Denn pro Tag standen rund 2.000 Menschen vor den Toren der Anlage, um sich helfen zu lassen, am härtesten Tag, so Wagner, waren es sogar 2.700. Um einigermaßen den Überblick zu behalten, wurden die Hilfesuchenden zunächst in zahlreiche Gruppen eingeteilt, die dann nach und nach zu den Helfern beziehungsweise einzelnen Stationen geführt wurden. Hier erfolgte zunächst ein Sehtest ohne Brille, dann die Bestimmung der Sehstärke mit einem speziellen Gerät und eine Diagnose des Augenhintergrunds. Zusätzlich wurden Diabetiktests durchgeführt (Inder lieben Süßes!) und Medikamente gegen andere erkannte Krankheiten ausgegeben. Nach den erfolgten Untersuchungen standen für jeden Patienten die Daten für seine Brille fest – auch für eine Inderin mit minus 18 Dioptrien, der extremste Wert der Aktion, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Brille bekam und dadurch wieder besser sehen konnte! Aus 45.000 gebrauchten, geprüften und codierten Brillen wurde dann in mühe voller Kleinarbeit jedem Bedürftigen seine ganz persönliche Brille zugeordnet und ausgegeben – ebenfalls eine logistische Meisterleistung aller Beteiligten. Ausgegeben wurden darüber hinaus einfache Lesehilfen, Lichtschutzbrillen und so genannte Individualbrillen mit einer runden Fassung für vorgeschliffene Gläser. In örtlichen Krankenhäusern wurden auch Operationen durchgeführt, zum Beispiel am Grauen Star; aus Kostengründen aber nur an einem Auge, ebenso finanziell unterstützt von den Lions. In den Tagen von Amritsar konnten Carlo Wagner und seine Kollegen rund 20.000 Menschen wieder zum besseren Sehen verhelfen. Für beide Seiten mit Sicherheit ein großer Erfolg mit nachhaltiger Wirkung – sowohl für die Erinnerung, die Seele und das Herz. Nach seiner Rückkehr an Rhein und Mosel treffen wir einen nachdenklichen Carlo Wagner wieder. Er erzählt von seinen vielfältigen Ein drücken in einem fremden Land, von freundlichen Menschen und dankbaren Patienten, für die eine bei uns entsorgte Brille in Indien ein Stück wieder gewonnene Lebensqualität bedeutet. Die froh waren, dass ihnen überhaupt geholfen wurde von Menschen aus aller Welt, die dies in ihrer Freizeit und unentgeltlich taten. Carlo Wagner: „Als ich zurück kam, hatte ich zunächst einmal wenig Verständnis dafür, wenn hier jemand über Kleinigkeiten meckert oder darüber, dass nicht alles perfekt läuft. Wenn man, wie ich, die Zustände dort vor Ort erlebt hat, sieht der Rest der Welt, und vor allem die eigene, ganz anders aus. Es war zwar anstrengend, der Einsatz für bedürftige Menschen hat sich aber mehr als gelohnt.“ Übrigens: Der Lions-Club „Sophie von La Roche“ hat ca. 4.000 Euro gesammelt, mit denen vergünstigte Geräte zur Behandlung von Sehbehinderten angeschafft und der Lions-Organisation zur Verfügung gestellt werden – auch sehr lobenswert! Manfred Gerz |
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